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Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland e.V.

Jagd ist reine Lust am Töten!

Anti-Jagd-Demonstration
am 1. November 2003 in Berlin

Rede von Rainer Gaertner
Vorsitzender der TIERVERSUCHSGEGNER BRD e.V.




Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

ich begrüße Sie ganz herzlich im Namen der Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland, die mit ihren 10 000 Mitgliedern diese Protestveranstaltung ideologisch voll und ganz unterstützen!

"Die Jägerei ist eine Nebenform der menschlichen Geisteskrankheit" -
wer hätte dieses bekannte Zitat nicht schon einmal gehört - es stammt von unserem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Demnach gehören die so genannten Waidmänner nicht in Wald und Flur, sondern in eine geschlossene Anstalt! Doch die 340.000 in Deutschland registrierten Hobbyjäger laufen frei herum und können ihr Gewaltpotential Tag für Tag ausleben. Sie führen Krieg gegen unsere Mitgeschöpfe. Dabei nutzen sie die Arg- und Wehrlosigkeit der Wildtiere skrupellos aus, indem sie mit Gewehren, Fallen und selbst mit Gas nach ihrem Leben trachten. Fünf Millionen Rehe, Hirsche, Wildschweine, Hasen, Füchse, Dachse, Iltisse, Wiesel, Marder, Waschbären, Enten, Rebhühner und Fasane fallen allein in bundesdeutschen Wäldern den Grünröcken bei der Ausübung ihres blutigen "Sports" alljährlich zum Opfer. Nur Igel und Mäuse werden verschont, ansonsten wird gnadenlos geschossen, was vor die Flinte kommt. Auch Haustiere müssen oft genug daran glauben: So dienten im vergangenen Jahr den Jägern 350 000 Katzen und 45 000 Hunde als lebende Zielscheiben. Vor allem bei den brutalen Treibjagden wird alles abgeknallt, was sich bewegt. Oft werden dabei die Tiere nur angeschossen und fliehen in panischer Angst mit zerfetzten Gesichtern und zertrümmerten Gliedmaßen oder mit Schrotkugeln im Körper, die jämmerlich zum Tode führen. Daher erfüllt die Jagd permanent auch den Straftatbestand der Tierquälerei. Nur wird dieses Vergehen bei uns nicht geahndet, weil Staatsanwälte und Richter oft genug selbst Jäger sind. Und viele Politiker - meist männlicher Natur - sind es auch. Deshalb konnte die Jägerlobby eine Änderung des Bundesjagdgesetzes, das ursprünglich noch aus der Nazizeit, und zwar von Herrmann Göring stammt, bis jetzt erfolgreich verhindern. Doch wir werden das nicht mehr länger hinnehmen, denn nicht die Jäger, sondern das Volk hat die Macht! Wir werden es nicht weiter dulden, dass eine Minderheit bei der Verfolgung ihres primitiven Tötungstriebes das Leben von Millionen unschuldiger Tiere zerstört, ganze Wildtierarten ausrottet und unsere Landschaft jedes Jahr mit tausenden Tonnen Blei vergiftet. Wir werden nicht eher ruhen, bis die Jagd gesetzlich verboten ist, wie das in anderen europäischen Ländern teilweise bereits der Fall ist. Denn die Ver-wandlung eines Lebewesens in ein Bündel von Blut und totem Fleisch ist ein Verbrechen - was sollte eigentlich sonst ein Verbrechen sein!

Die bewaffneten Freizeitsportler sind im Grunde genommen nichts anderes als niederträchtige Totmacher, die noch nicht einmal davor zurückschrecken, Tierbabys regelrecht kaputtzuschießen: Dass die Familientötung gewollt ist, zeigt folgende "Jagdgeschichte" von einem gewissen R. F. Semper - erschienen in der Zeitschrift "Wild und Hund" in der Ausgabe 1/1995. Darin heißt es: "Die Spätherbstsonne begann langsam müde zu werden, dunkle Wolken waren wieder aufgezogen. Endlich schien es sich die Alte (gemeint ist die Ricke, Anm. des Verf.) anders zu überlegen und zog, begleitet vom Nachwuchs, auf die freie Fläche. Ich wartete noch so lange, bis beide Kitze schussgerecht standen. Bevor das zweite Stück begriffen hatte, um was es ging, hatte es ebenfalls die Kugel im Blatt…". Der Jäger schildert, wie das Muttertier erschrocken seine beiden toten Kitze anschaut, versteht, was geschehen ist, und sofort die Flucht ergreift. Doch der Weidmann bleibt ruhig - weiß er doch, dass die Ricke "ihrem Mutterinstinkt folgend, über kurz oder lang nach dem Verbleib ihrer Kitze forschen" wird. Und so ist es: Der Jäger setzt zum Schuss an, das Geschoss trifft die Ricke - aber etwas weit hinten. "Mit taumelnden Fluchten springt sie genau in die Richtung ihrer Kitze, um unmittelbar vor ihnen zusammenzubrechen…". Schon diese Schilderung zeigt deutlich: Die Jagd ist reine Lust am Töten!

Nekrophilie - meine Damen und Herren - ist die Liebe zum Toten - der Wunsch, das Lebendige in Unlebendiges zu verwandeln. Aufgrund seiner geradezu nekrophilen Veranlagung trachtet der Jäger danach, Leben zu vernichten. Hauptsache, das Morden macht Spaß! Dabei gewinnt er große Befriedigung daraus, dass ihm Lebewesen hilflos ausgeliefert sind. Der Wunsch, Macht über andere zu haben, sie missbrauchen, manipulieren ja sogar töten zu können, ist nach psychologischen Erkenntnissen ein Zeichen für Sadismus. "Gekrönt" wird diese Wesensart durch die lebensverachtenden Rituale, die Jäger nach "getaner Arbeit" abhalten und deren Wurzeln im Nationalsozialis-mus zu finden sind. Es geht um "Wild aufbrechen" und "Strecke legen" - dabei werden die erschossenen Tieren endgültig ihrer Würde beraubt, indem man ihnen z.B. Tannezweige ins Maul stopft. Oder die grün Kostümierten kriechen bei ihren Saufgelagen zur Belustigung ihrer Kumpanen - ein totes Kaninchen mit den Zähnen haltend - mit allen Vieren über den Boden. Auch ist durch Fotos dokumentiert, wie bei "Verstößen gegen das jagdliche Brauchtum" zur Strafe der Jäger eine Nacht mit einer toten Wildsau im Bett verbringen muss…

Ganz pervers ist, dass zur Glorifizierung der Jagd - gerade in dieser Jahreszeit - überall so genannte Hubertus-Messen stattfinden. Der Heilige Hubertus, der durch die Erscheinung eines Hirsches mit strahlendem Kreuz im Geweih bekehrt wurde, würde sich bei diesem Missbrauch seines Namens im Grabe rumdrehen. Doch es verwundert nicht, denn die Vertreter der Amtskirche haben schon immer - und daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert - Verrat an den Tieren betrieben! Sie machen sich durch ständiges Ignorieren der unendlichen Tierquälerei und der massenhaften Tötung unserer Mitgeschöpfe in der industriellen Fleischproduktion, der Pelztierzucht, bei Tierversuchen und der Jagd, schuldig und durch solche Messen zum Handlanger des Todes. Deshalb gehören die Geistlichen, die das Gemetzel in Wald und Flur gutheißen und in ihren Predigten beschönigen, genauso an den Pranger gestellt!

Von den Grausamkeiten, die tagtäglich von den selbstgerechten Waidmännern bei der Jagdausübung begangen werden, machen sich die meisten Menschen keine Vorstellung. Denn beim Jagen bleiben die Jäger unter sich. Und sie sorgen dafür, dass das Grauenvolle nicht an die Öffentlichkeit dringt. Aber es wird nicht nur verschwiegen, sondern es wird auch von der Jägerschaft gelogen und betrogen. So werden bei der Propaganda für die Jagd immer wieder dieselben unwahren Behauptungen aufgestellt und auf diese Weise der ökologisch un-informierte Bürger für dumm verkauft. Allein die Phrase, Jagd sei zur "Regulierung der Wildtiere" notwendig, ist logisch nicht zu begründen. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Zahlreiche wissenschaftliche Studien von namhaften Wildbiologen und Soziologen sowie statistische Erhebungen beweisen nämlich, dass durch die Manipulation der Wildbestände die Fähigkeit der Natur zur Selbstregulation außer Kraft gesetzt wird - und zwar ganz bewusst. Die Jäger treiben z.B. durch ihre naturwidrigen Winterfütterungen die Tierbestände künstlich hoch, damit sie anschließend "fette Beute" machen können. Die so genannte Hege dient also nur dem Selbstzweck! Es ist erstaunlich, mit welchen abenteuerlichen Behauptungen Jäger immer wieder versuchen, ihr angeschlagenes Image aufzupolieren. Die Grünröcke reden davon, dass sie jährlich 40 Millionen Euro für "biotopverbessernde Maßnahmen" aus-geben. Tatsächlich aber fließen diese - für niemanden nachprüfbaren - Gelder vor allem in die Errichtung und Instandhaltung ihrer Hochstände. Außerdem wird bei der fadenscheinigen Argumentation unterschlagen, dass die Jagd neben der Befriedigung egoistischer Bedürfnisse auch eine sichere Einnahmequelle darstellt. Die Jäger verkaufen nämlich ihr "Wildbret" an Gaststätte und Metzgereien. Selbst ein Fuchsfell bringt immerhin 30 Euro… Es war schon immer so: Wer Tiere quält oder tötet, scheut sich auch nicht, Lügen darüber zu verbreiten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde - es muss endlich Schluss sein mit dem Terror gegen Tiere in unseren Wäldern. Wer heute noch Wildtiere erbarmungslos jagt und tötet und sich dabei mit einer unglaublichen Arroganz über alle ökologischen Erkenntnisse und ethischen Grundsätze hinwegsetzt, muss gesellschaftlich geächtet werden! Es ist höchste Zeit für einen Umdenkungsprozess in unserer Gesellschaft, wenn sie als zivilisiert anerkannt werden will: weg von jeglicher Gewalt gegen unsere Mitlebewesen - hin zu einem wahrhaft friedlichen Umgang mit der Natur und den Tieren.

Ich danke Ihnen!



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Barbara Rütting zur 30. Anti-Jagd-Demo / Bündnis Bayerischer Tierrechtsorganisationen