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Prof. Dr. Karnowsky zur 80. Anti-Jagd-Demo

80. Demonstration »Natur ohne Jagd« in Mainz - mit Vertretern von über 20 Tier- und Naturschutzorganisationen – 7. Juni 2008 Ansprache von Prof. Dr. Karnowsky

1. Der Jäger aus Kurpfalz

Heute bei einer Kundgebung hier in Rheinland-Pfalz für eine Natur ohne Jagd denke ich an jenes, zwar von der Melodie her schöne, aber sonst unsägliche Lied, dass sich leider noch immer großer Verbreitung erfreut. Für den Kanzler Helmut Kohl sangen es chinesische Kinder in Peking auf Deutsch, weil Kohl ja aus der Pfalz kommt: Der Jäger aus Kurpfalz. Der damalige Bundeskanzler soll ganz ergriffen gewesen sein und dessen Dank klang dann so, als sei das Lied die hiesige Mainzer Landeshymne.

Diesem Nimrod, dem Jäger aus Kurpfalz, der unablässig jagte und tötete, worüber es noch Aufzeichnungen gibt, wurde von dem ständig jagenden Kaiser Wilhelm II. hier in unserer Nähe im Hunsrück - westlich von Mainz ausgesehen - bei Simmern mit einer pompösen Einweihungsfeier vor knapp 100 Jahren sogar noch ein Denkmal (Jörg von Uthmann, Es steht ein Wirtshaus an der Lahn, 2. Aufl., Hamburg 1979, S. 306f.) gesetzt. Mit der Kurpfalz ist ein Landesteil jenes Bundeslandes gemeint, dessen jetzige Hauptstadt unser Kundgebungsort ist: Mainz. - Im Lied heißt es gruselig oder anders ausgedrückt:
Idylle in giftgrün oder blutigrot:

Ein Jäger aus Kurpfalz,

der reitet durch den grünen Wald
und
schießt das Wild daher
gleich wie es ihm gefällt
.
Juja, juja
, gar lustig ist die Jägerei
allhier auf grüner Heid, - allhier auf grüner Heid. allhier auf grüner Heid. (Quelle: Das Volksliederbuch
, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1993, S. 143)

Gegen diesen moralischen Schutt in unserer Liedtradition wehre ich mich. Der Text tut weh. Ich habe nach vielen Jagdberichten den Eindruck, dass viele Jäger, so wurden uns hier auch von kompetenten Rednern mit drastischen Beispielen belegt, noch heute ähnlich denken oder fühlen - „gar lustig ist die Jägerei“ - wie jener Pfalzgraf Johann Kasimir, der in der Barockzeit mit der bezeichnenden Regierungsform Absolutismus den üppigen Wildbestand des Hunsrück und anderer Teile der Pfalz fast täglich mit seiner Jagdmeute heimsuchte. – Aber es gibt ja jetzt uns, die Bewegung für eine Natur ohne Jagd!


2. Bad Dürkheim und die Lobby

Noch ein zweiter geographischer und historischer Bezug zu den inhaltlichen Themen meiner Vorredner soll ganz knapp folgen:
Etwas südlich von hier in der Pfalz liegt Bad Dürkheim. Hier wurde im Jahre 1949 der nach dem ADAC größte Lobbyverband Deutschlands, unser Gegner gegründet: Der deutsche Jagdschutzverband (DJV) mit jetzt über 300.000 Mitgliedern. Was war geschehen? Nachdem die deutschen Jäger am 8. Mai 1945 waffenlos wurden, gründeten sie vor allen anderen deutschen Vereinen in den jeweiligen Besatzungszonen sogleich regionale Verbände, die sich dann nach der Staatgründung 1949 zu einem Dachverband hier in Rheinland-Pfalz vereinigten. Dort auf dem Kongress ging es nicht etwa um den Verbiss am deutschen Wald oder Ökologie, sondern um primär ureigene Jagdinteressen, die gegen den Staat durchgesetzt werden sollten – eben die typische Lobbyarbeit. Da ist dieser DJV bis heute unübertroffen. - Als Fußnote der Jagdhistorie: Das Personal der Lobbyisten in Bad Dürkheim 1949 stammte - wie ein jagdfreundlicher Autor kritisch belegt hat (Hespeler, Bruno, Jäger wohin? München 1990, S. 53f.) - aus dem Hermann-Göring-Kreis der Alt-NS-Jagdlobbyisten - Kontinuität pur. Das hat ja auch schon im anderen Zusammenhang der Jurist Dominik Storr in seinen Ansprachen belegt. Geschickt, wie diese Lobbyistengruppen eben sind, hat dieser hier in Bad Dürkheim vor 60 Jahren gegründete Verein etwas Zynisches neu ins Vereinsprogramm aufgenommen: „im Rahmen der Aktion "Lernort Natur" laden künftig Jäger Schüler und Jugendliche in ihre Reviere ein, um ihnen die Zusammenhänge in der Natur näher zu bringen“. Lobbyisten lernen dazu! Wir werden heute und auch in Zukunft dagegen halten!



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Kurt Eicher / Dr. Hanna Rheinz, Initiative jüdischer Tierschutz