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Prof. Dr. Karnowsky, Protest gegen Jägertag

Bamberg, 6. April 2008

77. bundesweite Demonstration für eine »Natur ohne Jagd«

Grußwort Prof. Dr. iur. W. Karnowsky, Dortmund für die Hans-Rönn-Stiftung - Menschen f. Tiere, Düsseldorf und heute auch als Sprecher für PAKT e.V., Düsseldorf


Warum bin ich heute über 400 km gefahren, um den hier versammelten ca. 1000 bayerischen Jägern in Bamberg meine Meinung zu sagen? Die Empörung trieb mich nach Bamberg!

A. Die Amtskirche und die heutige Messe im Dom

Mich empört die sog. Hubertusmesse im Kaiserdom von Bamberg gleich um 18.00. Da fällt mir, dem hauptberuflichen Strafrechtler immer wieder der § 167 Abs. 1 Nr. 2 StGB ein:
Danach darf niemand in einer Kirche „beschimpfenden Unfug verüben“ – so das Gesetz wörtlich. Der Paragraph will im - rechtsgeschichtlich dokumentierten - Ergebnis die frühere Straftat Gotteslästerung, die so genannte Blasphemie in einem Gotteshaus verhindern. Beispiele aus der Rechtsprechung sind: Vorlesen von Pornographie, Aufbehalten des Hutes und vieles mehr.
Ich meine, dass zwar die Staatsanwälte das hier in Bamberg sicher anders sehen werden, aber für mich bleibt die Hubertusmesse als Messfeier des Jagdglücks und Lobpreisung jedweder Jagd etwas Urheidnisches, was sicher dem wahren Christengott als zutiefst gotteslästerlich erscheinen wird.

Die Jagdmesse heute im Dom ist „beschimpfender Unfug“ im Sinne von § 167 StGB:
Woran konkret?
Am echten, wahren Ur-Christentum, der Kernbotschaft Jesu Christi: Tod und Leiden vermeiden!

Die heutige Messe im Dom um 18.00 mit dem Hauptteil der in Bamberg versammelten 1000 bayrischen Jäger, einem großen Jagdhornchor aus Schweinfurt rund um den Altar und mit der jagdstolzen CSU-Prominenz aus München ist für mich reinste Blasphemie!

B. Bambergs größter Sohn – bis heute jedenfalls

Der Schriftsteller Karlheinz Deschner ist gebürtiger Bamberger (Jg. 1924), er ging hier gleich nebenan zur Schule, machte in Bamberg sein Abitur und lebt jetzt ganz in unserer Nähe. Aus Altersgründen kann er heute nicht mit uns hier für eine „Natur ohne Jagd demonstrieren. Von ihm gibt es die bekannten zehn umfangreichen Bände „Kriminalgeschichte des Christentum“, die ich ohne jede Übertreibung nicht nur als eine gewaltige Lebensleistung werten kann, sondern die auch geniale Meilensteine jedweder historischen Forschung bleiben werden. Über den Titel könnte man streiten: Er könnte oder sollte auch lauten:
Kriminalgeschichte des Amts-Christentums.
Ferner muss ich noch anmerken, dass es sicher auch eine Kriminalgeschichte des Atheismus gibt, wenn wir insbesondere an das letzte Jahrhundert denken. Wenn ich Kraft und Zeit hätte, würde diese einmal schreiben. Das legitimiert aber nicht schon die Hubertusjagdmessen haltende Amtskirche zur moralischen Selbstzufriedenheit, wenn Atheisten auch böse sein können.

Wie hier bei Deschner Mechanismen unmoralischer Machtausübung dargelegt, der krasse Widerspruch zwischen einer hehren Theorie und einer korrupten Praxis herausgearbeitet werden, wie mit dem Mittel beißender Ironie die inhumane Verkommenheit einer Amtskirche oder der selbst ernannten Vertreter Gottes auf Erden bloßgelegt wird – das ist ganz große Literatur.

Aus Zeitgründen lese ich die markanten Stellen zu unserm heutigen Jagdthema aus dem Werk des Jagdkritikers Deschner ohne Sinnentstellung verkürzt vor.

I. Zitat Nr. 1
In dem in Bamberg 1998 wieder neu gedruckten (autobiographischen) Roman Deschners von 1956 ein sind einige Sätze hier auf dem Markplatz zu verlesen. Hinweis am Rande: Ich kenne sonst keinen deutschen Roman, der die Jagd anprangert.
Nennt jemand von den vielen Zuhörern hier mir einen solchen Roman, gebe ich unten in jene Spendendose am Bücherstand 100 €! - Eine Anmerkung noch zum Verständnis des folgenden Textes: Deschner ist Sohn eines hiesigen Försters und trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und ging daher mit zur Jagd.
Ich lese nun vor:
Karlheinz Deschner, Die Nacht steht um mein Haus (1956); unveränderter Nachdruck hier benutzt: Bamberg: Kleebaum Verlag, 1998, S. 82:

…erst seit ich krank wurde, habe ich das Leben schätzen gelernt. Ich bin nicht mehr auf die Jagd gegangen, ich wollte kein Tier mehr töten, ich sah die Welt voll Tod, und ich wollte nicht diesen Tod vermehren.
Ich wollte selbst leben, und ich habe mir gedacht, dass jedes Tier ebenso gerne leben will wie ich, und ich glaube, dass das recht gedacht war, und ich glaube, dass mir niemand widersprechen wird, und ich glaube, dass wir
kein Recht haben, die Tiere zu töten, es sei denn, das Recht der Gewalt
Anmerkung: Dieser Text ist schon 52 Jahre alt. Wie wirkt er frisch!
Jetzt ein weiterer Text aus Deschners Arbeiten.

II. Zitat Nr. 2
Diesmal habe ich von Deschner aufgeschlagen: „ Für ein Bissen Fleisch“ Aksu-Press Bad Nauheim 1998

Hier auf S. 32 wird ein längeres Gespräch geschildert: Ein Bekannter bestellt im Beisein Deschners „Reh“ im Lokal. Dabei sagt die Person, „kann man doch essen, von wegen „Ethik“, denn Rehe gefährden unseren Wald…“.
Deschner -, brachte die Gegenargumente, er hat ja als Förstersohn zuerst Forstwissenschaft studiert, wie ich schon erwähnte - wie wir sie heute hier von vielen informierten Rednern vor mir hörten. Der Mitesser blieb völlig unbelehrbar und bestellte dann „Hirsch“…….
Aus Zeitgründen kann ich nicht das Ende der Geschichte hier auf dem Bamberger Marktplatz mehr vorlesen.
Das zitierte Buch ist sehr empfehlenswert: Für ein Bissen Fleisch – Treffender Untertitel bei Deschner: Das schwärzeste Verbrechen, - weil Tiere sich - im Ergebnis - nie wehren können……auch nicht bei der Jagd..........

Für eine „Natur ohne Jagd“! - Ich lade Sie heute schon ganz herzlich zur 78. Kundgebung für eine „Natur ohne Jagd“ am 3. Mai 2008 - wieder ein Samstag - nach Frankfurt ein.
Danke für Ihre Geduld!
Wir sehen uns alle gleich noch ab 17.30 bis ca. 19.30 vor dem Dom bei der Hubertusmesse! (späterer Einschub: im Dom sollen laut Amts-Kirche 550 Jäger bei der Messe und heiligen Kommunion gewesen sein)



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Dr. Hanna Rheinz, Initiative jüdischer Tierschutz / Prof. Dr. Wolfgang Karnowsky, Hans-Rönn-Stiftung